Die alte Hafenstadt La Rochelle hat eine große Geschichte. Hier hatte der französische Protestantismus eine seiner Hochburgen und die erfolglose Belagerung der Stadt durch die katholische Partei im Jahre 1573 führte schließlich zum Edikt von Nantes, mit dem der französische König Henri IV 1598 seinen Untertanen Religionsfreiheit gewährte. Das verhinderte jedoch nicht, dass es dreißig Jahre später zu einer erneuten und diesmal erfolgreicheren Belagerung der Stadt durch die katholische Partei unter dem Kardinal Richelieu kam und daraufhin das Toleranzedikt durch Ludwig XIV 1628 wieder aufgehoben wurde.

In der Folgezeit entwickelte sich la Rochelle zu einer reichen Handelsstadt. Hauptgrundlage für diesen Reichtum war der sogenannte Dreieckshandel. Europäische Billigwaren wurden nach Afrika verkauft, von wo man Sklaven in die Kolonien nach den Antillen und auch Kanada verbrachte, um von dort dann mit Kolonialwaren wieder nach Europa zu fahren.

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Die Charente bei Rochefort

Unter Ludwig XIV und seinem Minister Colbert wurde dann ab 1666 in dem nahe gelegenen Städtchen Rochefort eines der größten Marinearsenale Frankreichs mit dem Ziel angelegt, eine ständig einsatzbereite Kriegsmarine aufzubauen, die die Ansprüche des absolutistischen Frankreich als Seemacht durchsetzen sollte. Bis 1927 hat dieses Arsenal existiert und über 500 Schiffe sind im Verlauf der Jahre hier vom Stapel gelaufen. Über den Fluß Charente ist Rochefort mit dem offenen Atlantik verbunden. Die fertig gestellten Schiffe wurden auf dem Fluß bis an das offenen Meer gebracht und dort dann ausgerüstet.

Von daher ist es kein Zufall, daß Rochefort eine Städtepartnerschaft mit Papenburg hat, wo das Verbringen großer Schiffe auf viel zu kleinen Flüssen ja heute noch in Übung ist.

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die Corderies Royales in Rochefort (Rückseite)

Neben dem Musée national de la Marine de Rochefort, in dem unter anderem Schiffsmodelle aus verschiedenen Jahrhunderten gezeigt werden, ist vor allem die königliche Seilerei von großem Interesse. Mit seiner Länge von 374 Metern ist es eines der längsten Gebäude Europas, wurde 1669  fertig gestellt, am Ende des zweiten Weltkrieges großenteils zerstört und in den 60er Jahren wieder aufgebaut. Die enorme Länge des Gebäudes hängt natürlich von seiner Funktion ab: das Normalmaß eines Seiles lag damals  bei knapp 200 Metern Länge. Da die Seilfäden ungefähr ein Drittel ihrer ursprünglichen Länge durch das Twisten einbüßen, mußte das Gebäude entsprechend lang sein. Der Hanf als Rohprodukt für dieses wichtige Hilfsmittel der Seefahrt kam zum Teil aus heimischer Produktion, wurde aber vor allem aus Riga importiert.

Mitte des 19. Jhdts wurde die Hanfseilerei dann mehr und mehr durch Metalltrossen und später durch synthetische Fasern ersetzt wie ja überhaupt damals die Segler durch maschinengetriebene Schiffe abgelöst wurden.

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Anker einer französischen Fregatte mit seinem Tau

Written by Stephan Börries

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