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Gemüseverkäuferin auf dem Markt von Syriam

Der Tag beginnt mit einem Ausflug zum Markt von Syriam. Es ist einer der größeren Märkte in der Umgebung und in den Hallen und Ständen wird wirklich alles angeboten, was der Myanmar zum Leben braucht. Wir lassen uns durch die Hallen und Stände treiben und staunen über die Farben und Gerüche.

Zwei Traditionen des Landes begegnen uns auch hier auf dem Markt: das eine ist eine gelbliche Paste, die viele Frauen und Kinder, und auch manche Männer im Gesicht aufgetragen haben. Dabei handelt es sich um eine Kosmetik, die aus der verriebenen Rinde des Tanaka-Baumes hergestellt wird, gut für die Haut ist und vor Sonnenbrand schützt. Die zweite Tradition, der wir hier auf dem Markt begegnen, ist der Betelkonsum, eine Art Kautabak aus zerkleinerten Arekapalmennüssen und (gewürzter) Kalkpaste, die in ein herzförmiges, ungefähr handtellergroßes Blatt des Betelpfeffers eingerollt werden. Die Prieme werden in die Backentaschen gesteckt und dann vorsichtig angenagt. Durch das Anknabbern setzt starker Speichelfluß ein, der durch das in der Nuß enthaltene Rot blutrot gefärbt wird. Der Speichel wird von Zeit zu Zeit ausgespuckt und hinterläßt im öffentlichen Raum vor allem von ausländischen Besuchern als abstoßend empfundene Spuren. Betelkonsum ist in ganz Süd- und Südostasien üblich. Übermäßiger Konsum führt auf die Dauer zu rot-schwarz verfärbten Zähnen und Lippen, die früher jedoch ein Statussymbol waren, da sich der Träger offensichtlich über einen längeren Zeitraum einen erhöhten Betelkonsum leisten konnte.

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Die Ye Le Pagode und Pilger, die sich übersetzen lassen

Nach dem Markterlebnis fahren wir in einen kleinen Ort, von dem aus die Ye Le Pagode besucht wird, die auf einer kleinen Insel inmitten eines Flusses liegt. Man setzt in kleinen Booten über, die mit ihren Motoren gegen die reißende Strömung ankämpfen müssen. Heute ist Sonntag und daher herrscht ein reger Andrang. Die Menschen sind sonntäglich gekleidet und lassen sich mit Blumengestecken als Opfergaben übersetzen. Da nur wenige Touristen an diesen Platz kommen, werden wir vielfach angesprochen, ob man ein Photo mit uns machen kann.

Die Pagode selbst besitzt, wie die meisten anderen auch, vergoldete Bauten, goldgeschmückte Bildnisse und gut gefüllte Opferstöcke. Unser lokaler Reiseführer berichtet uns, daß Myanmar, obwohl eines der ärmsten Länder der Erde, weltweit an der Spitze der Spendenbereitschaft steht. Das ist auf die buddhistische Tugend des Gebens zurück zu führen, mit der jeder Gläubige, und wenn es auch nur ein kleinster Betrag ist, etwas von seinen irdischen Gütern losläßt und dadurch geistiges Verdienst erlangt.

Written by Stephan Börries

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