Unser erster irische Hafen auf dieser Reise ist Cobh. An Roches Point vorbei fahren wir in den sogenannten unteren Hafen von Cobh ein. Dabei handelt es sich um einen der größten Tiefseehäfen der Welt und bis die Stadt Cobh erreicht wird, passieren wir mehrere Festungen, die zur Sicherung dieses ehemals militärisch bedeutenden Hafens angelegt wurden.

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Cobh (gesprochen: cove) am frühen Morgen

Wenn es so etwas wie ein schlechtes Karma gibt, dann sicher hier in Cobh. Von hier aus starteten die Schiffe, die die englischen Truppen in die Kriege gegen Napoleon brachten, sowie in den Krimkrieg und in den Burenkrieg. Von Cobh aus emigrierten im 19. Jahrhundert ungefähr 2,5 Millionen Iren und flohen vor Armut und zukunftslosen Existenzen in die sogenannte neue Welt. Im Hafen von Cobh machte die Titanic das letzte Mal fest, bevor sie zu ihrer ersten und letzten Reise über den Atlantik aufbrach und vor Cobh ereignete sich 1915 eine der größten Schiffskatastrophen, als die Lusitania, ein englisches Passagierschiff, von einem deutschen U-Boot torpediert wurde und 1200 Passagiere den Tod fanden.

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Die alte Pier der Red Star Line, über die die letzten Gäste zur Titanic übergesetzt wurden (im Hintergrund MS EUROPA2)

Heute hat der Ort 12.500 Einwohner und ist eine beliebte Destination für Kreuzfahrtschiffe. MS EUROPA2 macht gleich neben dem zu einem Museum umgebauten alten Bahnhof fest, ganz in der Nähe der Pier, über die die letzten Passagiere auf die Titanic eingeschifft wurden.

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Cobh Heritage Centre, der alte Stadtbahnhof mit Kreuzfahrtschiff

Am Vormittag habe ich einen Ausflug geplant, der zu alten Klosterruinen in der Grafschaft Cork führt. Buttevant und Ballybeg heißen die romantischen Plätze, die ich auch schon im Mai dieses Jahres besucht habe. Auf dem Weg zurück nach Cobh besuchen wir auch wieder Blarney Castle. Die Reste der mittelalterlichen Burg sind umgeben von einem riesigen Park, der zu jeder Jahreszeit mit seinen zum Teil riesenhaften Bäumen beeindruckt. Oben im alten Turm der Burg kann man den Stein von Blarney küssen, was man rücklings auf einen Mauervorsprung liegend und kopfüber tun muß. Wenn das mit der gehörigen Andacht geschieht, so heißt es, wird einem von der keltischen Fee Clodhnia die Gabe der freien Rede geschenkt……..

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Blarney Castle

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Sooooo groß kann eine blöde Thuja werden!

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Diese beiden Dudelsackspieler im Park von Blarney bessern sich (erfolgreich) die Ferienkasse auf

Am Nachmittag habe ich frei und schaue mir Cobh an. Bei meinem Spaziergang komme ich zu einer elegant geschwungene Reihe von viktorianischen Stadthäusern, die Crescent genannt werden. Von hier bietet sich ein wunderbarer Blick auf die riesige Kathedrale der kleinen Stadt. Ich treffe auf ein Ehepaar, das dabei ist, eines der Häuser zu renovieren und sich gerade eine Pause von der Gartenarbeit gönnt. Wir kommen ins Gespräch und die beiden laden mich ein, ihr Haus anzuschauen und so komme ich dazu, einen Blick auf das private Cobh zu werfen.

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Crescent und die Kathedrale St. Colman von Cobh

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Cobh Interieurs

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Hafenblick an der Kathedrale von Cobh

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Im Bible Garden (es ist hier alles sehr katholisch!)

Die Stadt rund um die riesige Kathedrale, deren Bau von Spendengeldern ausgewanderter Iren stammte, die mit der Spende ihre Verbundenheit mit der alten Heimat ausdrücken wollten, hat fast parallel laufende Straßen, die steil hintereinander gestaffelt sind. Die Häuser sind meist bunt angestrichen, so daß sich ein heiteres Stadtbild ergibt und von vielen Stellen aus hat man eine wunderbare Aussicht auf das Hafengebiet. Am frühen Abend heißt aber wieder: „Leinen los!“ und MS EUROPA2 macht sich auf die Fahrt nach Liverpool, wo wir morgen Abend ankommen wollen.

Written by Stephan Börries

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