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Alt und neu am Firth of Forth

Nach einer Tagesreise rund um den Norden Schottlands fahren wir am Nachmittag in den Firth of Forth ein. Firth heißt soviel wie Fjord, und dieser Fjord ist der Mündungsarm, oder wissenschaftlicher ausgedrückt, das Ästuar des Flusses Forth, an dem unser Zielhafen Rosyth liegt. Da der Hafen von Edinburgh zu klein für MS EUROPA2 ist, besuchen wir von hier aus die schottische Hauptstadt.

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Die Forth Railroad Bridge bei Rosyth

Bevor wir aber festmachen, passieren wir eine richtige Brückensammlung: drei Brücken aus drei Jahrhunderten stehen bei Rosyth fast direkt nebeneinander. Die Forth Bridge ist die älteste und spektakulärste. 1890 eröffnet, überspannt die rot gestrichene Stahlkonstruktion mit drei Segmenten aus Fachwerkträgern den Fjord auf eine Länge von fast 2,5km und ist eine 2-gleisige Eisenbahnbrücke. 1964 wurde die zweite Brücke als Forth Road Bridge für den Kraftverkehr eröffnet und war als Zugseibrücke damals die größte ihrer Art in Europa. Die Dritte der Brücken soll noch 2016 fertiggestellt werden und wird dann Queensferry Crossing heißen. Die Spannseilkonstruktion dieser Brücke wird dann 2,7km lang sein und die Einzelelemente, aus denen der Brückenträger zusammengesetzt wird (jedes 12 * 40m groß), wurden in China und in Spanien hergestellt.

Wir fahren aber zunächst nicht nach Edinburgh, sondern durch die Grafschaft Fife, einer Landschaft, die nördlich des Firth of Forth liegt, nach St.Andrews. Im Mittelalter war St. Andrews ein bedeutender Wallfahrtsort, wo Reliquien des Hl. Andreas, Schutzpatrons von Schottland, verehrt wurden und die Kathedrale sich zum religiösen Zentrum Schottlands entwickelte. 1413 wurde die berühmte Universität gegründet. In der langen Reihe der Studenten, die Berühmtheit erlangten, stehen auch Prinz William und Kate Middleton, die sich in St.Andrews während ihres Studiums kennen lernten.

Infolge der Reformation und der flammenden Predigten des Reformators John Knox in der Stadtpfarre von St. Andrews wurden die Kathedrale und das bischöfliche Schloß zerstört. Nur noch die imposanten Ruinen erinnern an diesen Teil der Stadtgeschichte.

Berühmtheit erlangte St.Andrews darüber hinaus als Entstehungsort des Golfsports, dem hier nachweislich seit 1552 (mit bischöflicher Erlaubnis) nachgegangen wird.

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Kellie Castle inmitten seiner üppigen Gärten

Von St. Andrews aus geht es weiter nach Kellie Castle. Seit dem Ende des 19.Jahrhunderts wurde der Landsitz von der Künstlerfamilie Lorimer umgestaltet und unter anderem ein wunderbarer Staudengarten angelegt, der auch an einem Regentag begeistert.

Falkland ist ein weiterer Ort, der in der Geschichte Schottlands einen wichtigen Platz einnimmt. Inmitten der Lomond Hills, einem ehemals wald- und wildreichen Gebiet, wurde ein Jagdschloß errichtet, das zu einem der beliebtesten Aufenthaltsort der Könige von Schottland wurde. Maria Stuart verbrachte hier jedes Jahr mindestens zwei Wochen; vielleicht auch, weil die elegante Renaissance-Architektur sie an ihre Kindheit in Frankreich erinnerte. Neben der Jagd trieb man in Falkland Palace auch Sport und so gehört zu den Sehenswürdigkeiten unter anderem der älteste Tennisplatz (der Welt?), der im Jahr 1539 als Royal Tennis Court entstand und bis heute bespielt wird.

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Falkland Palace, von der Dorfstraße aus gesehen

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Der Royal Tennis Court in Falkland Palace von 1539

Nach dem Weggang des königlichen Hofes aus Edinburgh im Jahr 1603 wurde Falkland Palace vernachlässigt. Ein Feuer vernichtete 1639 einen Flügel der Schlossanlage und erst im 19. Jahrhundert ging man an die Restaurierung der verbliebenen Gebäudeteile. Die Gartenanlagen im sogenannten Cottage-Stil stammen erst aus den 50er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.

Nach der Rückkehr aus Fife bleibt nur etwas Zeit an Bord bevor wir am Abend nach Edinburgh aufbrechen. Dort findet zum Auftakt des jährlichen Edinburgh Festivals heute der Royal Military Tattoo statt.

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Schottischer Sommerabend

Vor der Kulisse der alten Burg wird seit 1950 dieses Musikfest abgehalten. Ursprünglich ausschließlich der Militärmusik gewidmet, gibt es mittlerweile auch Einlagen ganz unterschiedlicher Musikgattungen aber den Höhepunkt bilden immer noch die Auftritte der Musikzüge der britischen Garderegimenter, allen voran natürlich die Pipes & Drums des 1. Schottischen Garde Regiments mit ihren malerischen Uniformen. Bei der Veranstaltung, die insgesamt gut eineinhalb Stunden dauert, wirken mehr als 1200 Musiker und Tänzer mit und nach dem abschließenden Feuerwerk erheben sich die nach tausenden zählenden Zuschauer aus aller Welt, um die britische Nationalhymne zu singen.

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Pipes & Drums

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Auftakt zum großen Finale

Der Royal Military Tattoo mit seinen großartigen Choreographien ist ein echter Höhepunkt zum Abschluß unserer Reise rund um die britischen Inseln! Und da wir mit Regencapes und Plastiktüten ausgerüstet sind, macht es auch fast Garnichts, daß vor Beginn der Veranstaltung für ein halbe Stunde Regengüsse auf uns niederprasseln (Regenschirme verboten!). Während der Aufführung bleibt es aber trocken und um uns aufzuwärmen, erwarten uns bei der Rückkehr gegen 1:00h an Bord von MS EUROPA2 heiße Schokolade (mit Whisky) und Punsch.
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Written by Stephan Börries

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