In Keelung regnet es angeblich 245 Tage im Jahr und auf einen dieser Tage fällt ganz offensichtlich auch unser Aufenthalt in diesem Hafen im Norden Taiwans. Aber wir wollen heute ja nach Taipeh fahren, die Hauptstadt der Republik China auf Taiwan und tatsächlich hört es auf zu regnen, als wir über das kleinere Gebirge kommen, das die Städte voneinander trennt.

101 Building in Taipeh (bei schönem (Wetter)

Unser erstes Ziel ist das Hochhaus 101, das mit seiner Höhe von 508m nach seiner Fertigstellung im Jahr 2004 für drei Jahre das Höchste Gebäude der Erde war. Eine besondere Herausforderung beim Bau dieses Wolkenkratzers war der Umstand, daß Taipeh in einem erdbebenreichen Gebiet liegt. In Taiwan schiebt sich die Philippinische unter die eurasische Erdplatte, wodurch es hier pro Jahr ca 200 spürbare Erdbeben gibt. Um das Gebäude erdbebensicher zu machen, hat man unter anderem im 89. Stockwerk eine Kugel aus Stahl mit einem Durchmesser von 5,5m aufgehängt, die mit ihrem Gewicht von 660t den Schwankungen bei einem Erdbeben entgegenwirkt. Das Ding heißt Schwingungstilger und bislang hat’s funktioniert.

Schwingungstilger im 89. Stockwerk des 101 Building

Um den Göttern zu danken, daß die Erde heute nicht gebebt hat, besuchen wir anschließend den populären Lonshan Tempel und kehren dann ausführlich zu einem üppigen Mittagessen ein. Das üppige Mahl beginnt mit einem Gang aus lackierter Entenbrust, die zusammen mit Frühlingszwiebel und gebratener Ananas in einen dünnen Reisfladen eingewickelt und dann gegessen wird. Die Herausforderung dabei ist, daß all dies mit Eßstäbchen bewerkstelligt werden muß.

Vorhof des Lonshan Tempel in Taipeh

Fremde Länder, fremde Sitten

Bei einem Besuch in Taipeh kommt man um die Besichtigung des Ehrenmahles für den Führer der Kuomintang und Staatsgründer Chiang Kai-shek nicht herum, das an Pomp kaum zu wünschen übrig läßt. Wir kommen gerade zur rechten Zeit, um eine Wachablösung zu sehen, bei der die Soldaten wie aufgezogene Blechfiguren paradieren. Besonders befremdlich wirkt eine Szene, als ein Assistent den neu aufgezogenen Wachsoldaten die Handschuhe, Hosenbeine und Rockzipfel zurecht zupft, nachdem diese sich für die nächsten Stunden in Position gestellt haben, gerade so, als handele es sich um Kleiderpuppen.

Als wir nach Keelung zurückkommen, regnet es wieder!

Eingangstor zum Chiang Kai-shek Memorial

 

Written by Stephan Börries

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