Nagasaki mit seinen rund 430.000 Einwohnern ist seit jeher einer der bedeutendsten Häfen Japans. Seit dem 16. Jahrhundert und dann für gut 250 Jahre war es der einzige Hafen, durch den Japan mit dem Rest der Welt Verbindung hielt. Auf einer winzigen Insel durfte sich eine kleine Zahl von holländischen Händlern niederlassen und unter strenger Aufsicht Handel treiben. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, sofort nach der Öffnung Japans durch die Meiji-Restauration entwickelte sich hier dann eine kleine Kolonie von zumeist britisch-stämmigen Händlern, die die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung Japans zusammen mit ihren japanischen Geschäftsfreunden entscheidend beeinflussten und entwickelten. Mit den Mitsubishi Werften entstand ein industrielles Schwergewicht, das später dann auch für die Rüstungsindustrie vor und während des zweiten Weltkrieges von großer Bedeutung war.

Nicht zuletzt aus diesem Grund entschlossen sich die USA drei Monate nach der deutschen Kapitulation in Europa am 6.August 1945 die erste Atombombe über Hiroshima und drei Tage später am 9. August die zweite über Nagasaki zu zünden. Bei dem Bombenabwurf und in der unmittelbar folgenden Zeit kamen in Nagasaki ca 140.000 Menschen ums Leben. Die Explosion der Bombe in ca 450m Höhe über der Stadt führte zu einem Feuerball von ca. 3000°C Hitze, der die gesamte Stadt zerstörte.

Der Eingang zum unterirdischen Mahnmal für die Opfer der Atombombe von Nagasaki

Wir besuchen heute das Museum und die Erinnerungshalle, die untereinem kreisrunden Wasserbecken angelegt wurde und in ihrer schlichten Architektur mit der Monstrosität des Ereignisses kontrastiert. Der anschließende Gang durch die Ausstellungsräume zeigt Bilder der Verwüstung und Gegenstände, die aus den verbrannten Resten geborgen wurden.

Schon relativ kurze Zeit nach dem Kriege wurde die Stadt wiederaufgebaut. Auch die Erinnerungskirche an die 26 Märtyrer, die 1597 während einer Christenverfolgung hier in Nagasaki gekreuzigt wurden. Das bemerkenswerte an der Architektur der Kirche ist ihre Ähnlichkeit mit den Formen des katalanischen Architekten Gaudì. Wenn man näher an den Kirchenbau heranritt, stellt man fest, daß der Architekt Kenji Imai bei den Dekorationen der Fassaden und Türme die Scherben von Gebrauchsporzellan verwendet hat, die aus den Trümmern des zerbombten Nagasaki geborgen wurden.

Die katholische Kirche St.Philipp de Jesus von Imai Kenji, erbaut 1962

Detailansicht einer Außenwand

Um all diesen Schrecken auch etwas Heiteres entgegenzusetzen, machen wir am Nachmittag einen Spaziergang in den sogenannten Glover Gardens, einer Art Freilichtmuseum mit den Villen der (westlichen) Kaufleute, die von Ihren Häusern und Gärten oberhalb des Hafens das Aus-und Einlaufen ihrer Schiffe gut beobachten konnten. Am Wochenende ist es ein Spaß für junge Japanerinnen, in historischen Kostümen nach westlicher Mode in den Gärten spazieren zu gehen.

Drei japanische Fräuleins beim Spaziergang in den Glover Gärten

Written by Stephan Börries

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