Obwohl das Ziel fast aller Ausflüge heute die Mayastätten auf dem Festland von Yukatan liegen, ist unsere Pier auf der Insel Cozumel in der Stadt San Miguel. Cozumel ist die drittgrößte Insel Mexikos und liegt knapp 16 km vom Festland entfernt. Cozumel ist heute ein beliebtes Ziel für Touristen, die hier vor allem die Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten in den glasklaren warmen Gewässern an den Korallenriffen suchen.

Wir haben etwas anderes vor und setzen am Morgen mit einer Schnellfähre nach Playa del Carmen über. Der Ort, den ich vor 23 Jahren besucht habe und der damals noch etwas von einem „Aussteigerparadies“ hatte, ist heute so etwas wie die kleine Schwester der Ferienstadt Cancun, in der die großen Hotels und Vergnügungsmöglichkeiten die ursprünglichen Mangrovenwälder und Strandlandschaften verdrängt haben.

Das letzte Mal, als ich hier war, gab es zwischen Playa del Carmen eine zweispurige Landstraße, die wenig mehr als eine Schotterpiste war

Von Playa del Carmen führt unser Weg ins Landesinnere nach Cobá. Die Stadt war in der klassischen Zeit der Maya-Kultur zwischen 600 und 900 n.Chr. eine der wichtigsten Städte und hatte in ihrer Blütezeit wohl bis zu 50.000 Einwohnern. Man darf sich diese „Städte“ aber nicht so vorstellen wie unsere mittelalterlichen Städte mit Gassen, Plätzen und engstehenden Häusern. Die Städte der Maya bestanden eher aus Hausgruppen, die von einander durch Hausgärten und Felder getrennt waren. So erschließt sich dann auch eine Ausdehnung der Stadt Cobá über eine Fläche von ungefähr 70 km².

Das Besondere an Cobá sind vor allem die zahlreichen Sacbeob, Wegeverbindungen zwischen den einzelnen Haugruppen und den Zeremonialplätzen, die auf befestigten Dämmen angelegt wurden. Bemerkenswert sind diese „Straßen“ auch deshalb, weil die Maya das Rad und damit den Wagen oder die Karre nicht kannten. Genauso wenig kannten sie Zugtiere wie Pferd, Esel oder Ochsen. Alle Waren, alle Baumaterialien wurden entweder von den Menschen zu Fuß oder aber per Kanu oder Floß auf dem Wasserweg transportiert.

Die Pyramide Ixmoya in Cobá ist mit 42 Höhe eine der höchsten in Mexiko und eine der ganz wenigen, die noch direkt bestiegen werden können

Und von ganz oben genießt man einen weiten Rundblick

Nur beim Abstieg merkt man, wie steil sie ist und manchem wird auch trotz Seil noch bang

Zum Mittagessen fahren wir zurück an die Küste und stärken uns in einem der Resorts, an denen es der sogenannten Riviera Maya keinen Mangel gibt.

Kurzbesuch an der Riviera Maya

Am Nachmittag geht es bei unserem Besuch in den Ruinen von Tulum noch ein letztes Mal um die Maya und ihre Kultur, die mit der Ankunft der Spanier endgültig zu Ende ging. Tulum ist erst um 1200 bedeutend geworden und war ein lebhafter Handelsplatz an einem Punkt, an dem die Handelswege an Land mit denen auf dem Meer zusammenkamen. Anders als die Maya-Zentren der klassischen Zeit war Tulum auch durch eine mächtige Stadtmauer gesichert, die den Niedergang der Stadt nach 1550 aber auch nicht verhindern konnte.

Teilansicht des Castillo von Tulum über der Küste

Neben den Ruinen und Tempelresten ist bei Tulum vor allem die spektakuläre Lage direkt über den weißen Stränden der Grund dafür, daß Tulum nach Teotihuacan und Chichén Itza die meistbesuchte archäologische Stätte Mexikos ist.

 

 

Written by Stephan Börries

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