Adventskranz maritim

Also, der Nikolaustag war wirklich anstrengend: um 5:00 h aufstehen, den Flieger nach Frankfurt um 6:45h kriegen und von dort dann weiterfliegen nach Panama, was gute zwölf Stunden Flugzeit bedeutet. Dort bei Regen und ungefähr 30° C ankommen und mit dem Bus noch einmal zwei Stunden auf die karibische Seite nach Colon fahren. Einchecken, Kabine beziehen und dann ins Bett fallen ist fast eins!

Morgensonne über Panama

Aber am Morgen scheint die Sonne über dem Festland und ich bin auch dieses Mal wieder verwirrt, denn wie kann die Morgensonne über dem Festland scheinen, wo hinter dem Festland doch der Pazifik liegt und der gefühlt im Westen, oder? Aber die Geographie ist hier ein wenig komplexer und ein Blick in den alten Diercke-Weltatlas klärt (fast) alles auf.

MS EUROPA2 nähert sich der Gatun-Schleuse

 

Einfahrt in die erste Schleuse

Unter der neuen Brücke hindurch, an der seit dem letzten Mal im Juni deutliche Baufortschritte zu sehen sind, erreichen wir die Gatun-Schleusen (drei Kammern hintereinander) wo wir ungefähr 26m angehoben werden, um das Kanal-Niveau zu erreichen. Die Schiffe werden dabei von Treidel-Lokomotiven, die hier Mulis genannt werden, in den Kammern stabilisiert, damit sie nicht durch die Strömungen, die durch das Fluten und Leeren der Kammern entstehen, in unkontrollierte Bewegungen geraten.

Die Begeisterung kennt kaum Grenzen! Hier hat jemand sein Akkordeon herausgeholt und spielt auf!

Seit 2016 gibt es parallel neben den Schleusensystemen, die seit 1914 den Kanal versorgen, neue Schleusen, die wesentlich weniger Süßwasser verbrauchen sollen und noch größeren Frachtschiffen die Durchfahrt ermöglichen. Die meisten Schiffe, so auch wir, nutzen zurzeit jedoch noch die alten Schleusen.

Muli in den Gatun-Schleusen
Die dritte der Schleusenkammern vor der Einfahrt in den Gatun-See

Nachdem die Schleusen passiert sind, fahren wir in den Gatun-See ein. Dieser riesige Stausee dient der Wasserversorgung des Panama-Kanals und ist selbst Teil der Wasserstraße. In den Tälern, die heute geflutet sind, führte einst der camino real von Panama-Stadt nach Colon. Über diese Route wurden Gold und Silber, das die Spanier aus Chile und Peru geholt hatten, an die karibische Küste gebracht um von dort weiter nach Spanien verschifft zu werden. Die Kuppen der Hügel wurden durch die Flutung des Gatun-Sees zu Inseln, auf denen sich Flora und Fauna in den letzten hundert Jahren völlig ungestört entwickeln konnten, da die Inseln nicht bewohnt oder landwirtschaftlich genutzt werden.

Culebra cut mit der Puente Centenario

Erst knapp 30km vor den Schleusen von Pedro Miguel auf der pazifischen Seite beginnt der Panama-Kanal auch wie eine künstliche Wasserstraße auszusehen. Hier wurden mit enormem technischem Aufwand und mit ca. 20.000 Todesopfern, die vor allem an Infektionskrankheiten und Seuchen gestorben sind, das vulkanische Gestein abgegraben und gesprengt, um den Kanal zu bauen.

Puente Centenario über dem Oberdeck von MS EUROPA2

Dramatisch spannt sich hier die Puente Centenario über den Kanal. Diese Schrägseilbrücke, die 2004 eröffnet wurde, hat eine Länge von etwas mehr als einem Kilometer und eine Höhe von 80m über dem Kanalniveau.

Puente de las Americas

Ein paar Kilometer nach den Pedro Miguel Schleusen passieren wir die letzte Schleuse bei Miraflores und fahren dann unter der Puente de las Americas in den Golf von Panama ein.

Skyline von Panama-Stadt im Abendlicht

Written by Stephan Börries

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