Das Touristik Department auf dem Weg zu den Bussen (bevor die Gäste losgelassen werden)

Nach einem ruhigen Seetag laufen wir heute Semarang auf Java an, der bevölkerungsreichsten Insel Indonesiens und das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Inselstaates. Insgesamt besteht das Land aus 17.508 Inseln, zu denen auch Bali gehört, wo unsere Reise begann. Während Bali noch heute eine überwiegend hinduistisch geprägte Insel ist, beten im Rest der Republik mehr als 80% der Bevölkerung zu Allah und in einigen Regionen des ausgedehnten Landes gewinnt der Radikalislam in den letzten Jahren zunehmend an Einfluß.

Auf der Fahrt ins Landesinnere der Insel Java

Nachdem die Holländer fast dreihundert Jahre lang die Inseln des heutigen Indonesien als Kolonialmacht beherrschten, erlangte das Land 1949 seine Unabhängigkeit und erlebt in den letzten Jahren einen erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Mit 255 Mio Einwohnern steht Indonesien an vierter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder der Erde und mit unserem Besuch unterstützen wir den Tourismus als einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes.

Eine motorisierte Riksha

Semarang mit seinen 1,5 Mio Einwohnern ist für uns Ausgangspunkt für Ausflüge zu den Tempelanlagen von Borubodur (buddhistisch, 8. und 9. Jhdt.) und Prambanan (hinduistisch, 9. Jhdt. v.Chr.).

Ich habe mich für Prambanan entschieden und am frühen Morgen geht es vom Hafen in Semarang aus los. Mit dem Bus geht es zunächst nach Yogyakarta, einer Residenzstadt, die ab 1755 nach Teilung des Sultanats von Mataram entstanden ist. Wir besuchen den Sultanspalast Kraton, der Lebensraum für die Sultansfamilie und deren Hofstaat, immerhin insgesamt ca. 25.000 Menschen, bieten mußte. Ein Gewirr von Pavillons, Höfen und und anderen Bauten bildet die Anlage, deren Anzahl, Form und Farbe, sowie eine Vielzahl von architektonischen Details Symbolcharakter haben. Das Schema der Gesamtanlage soll den menschlichen Körper darstellen.

Der Empfangssalon des Sultans im Kraton

Vor dem Mittagessen bekommen wir noch eine kleine Vorführung des javanischen Schattentheaters (Wayang) zu sehen. Der Stabpuppenspieler sitzt dabei hinter einem transparenten Vorhang und bewegt die Puppen, die wie Scherenschnitte an Stäben aussehen. Die Geschichte, die erzählt wird, ist ein altindisches Epos, in dem es um den Lebens- und Liebeskampf eines Prinzen und seiner Prinzessin geht. Das Puppenspiel, das festgelegten Texten folgt, wird von der (für unsere Ohren gewöhnungsbedürftigen) Musik eines Gamelanorchesters begleitet. Für uns spielt die Gruppe eine gute Viertelstunde. Eine traditionelle Aufführung beginnt jedoch am Nachmittag um 17:00h und endet elf Stunden später – Bayreuth ist also geradezu ein Kurzprogramm gegen so eine Aufführung!

Traditionelles Stabpuppenspiel (Wayang)

17km östlich von Yogyakarta liegt die Tempelanlage von Prambanan, die vermutlich um das Jahr 900 v.Chr. fertig gestellt wurde und aus drei Hauptgebäuden und einer Reihe von Nebengebäuden besteht. Wie auch Borobodur wurde diese Anlage zu Beginn des 19. Jhdts., als die Holländer von England als Kolonialmacht vorübergehend abgelöst wurden, durch Initiative von Sir Thomas Stamford Raffles wiederentdeckt und wissenschaftlich untersucht. Der Haupttempel ist dem hinduistischen Gott Shiva geweiht und ist immerhin 40m hoch. Die zur Zeit ihrer Wiederentdeckung weitgehend ruinierten und vom Dschungel überwachsenen Anlagen wurden gegen Ende des 19. Jhdts. rekonstruiert und nach diversen Erdbeben, zuletzt 2006, immer wieder hergestellt.

Die hinduistische Tempelanlage von Prambanan

Die Reliefs auf den unteren Stufen der Haupttempel erzählen die hinduistischen Mythen

Nicht weit von Prambanan liegt auch der Vulkan Merapi, was soviel wie Feuerberg heißt. Insgesamt gibt es auf Java 38 teils erloschene aber teilweise auch noch aktive Vulkane und die in den Urreligionen mit dem Vulkanismus in Verbindung gebrachte götter- und Geisterwelt spielt im Volksglauben immer noch eine bedeutende Rolle.

Unsere „Schutzengel“ für diesen Tag

Damit wir unser Tagesprogramm schaffen und um auf den fast immer vollen Straßen voran zu kommen, fährt uns ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht voran und macht uns den Weg frei.

Auf dem Rückweg nach Semarang

Written by Stephan Börries

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