Kurz vorm Anlagen an der Pier von Georgetown

Unser zweiter Hafen in Malaysia ist Georgetown auf der Insel Penang. 1786 wurde die Stadt als Stützpunkt der Britischen Ostindien Compagnie von Francis Light gegründet und nahm als Freihafen zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen rasanten Aufschwung. Zu der Zeit hatte die Stadt, die nach dem englischen König Georg III benannt wurde, bereits 10.000 Einwohner und 1807 wurde hier ein Gerichtshof eröffnet. Dieses Gericht, sowie die bald auch einsetzende Ausbildung von Juristen und Polizei setzten Maßstäbe nach denen die malaysische Justiz noch heute arbeitet.

Altes Gerichtsgebäude

Georgetown zog viele unterschiedliche Ethnien an. Neben den Indern, die teilweise als Verurteilte vom indischen Subkontinent als Zwangsarbeiter hier in Straflager kamen und nach ihrer Entlassung in auf Penang blieben; Chinesen, die als Kulis im Hafen oder auf den Plantagen arbeiteten und in späteren Generationen zu Kaufleuten wurden; Armenier, die als Kaufleute hier ihr Glück versuchten und Juden, die vor den Pogromen in Bagdad geflohen waren.

Noch heute ist dieses bunte Gemisch in den Straßen der Stadt gut sichtbar und im Stadtkern liegen die Gotteshäuser und Tempel der unterschiedlichen Religionen nur ein paar dutzend Schritte auseinander.

Bald kommen die Mittagsgäste!

Deutsche Drucktechnik in Südostasien: und läuft und läuft und läuft …………..

Während Singapur und Kuala Lumpur zu riesigen Metropolen gewachsen sind, hat sich in Georgetown ein fast kleinstädtischer Charme erhalten, obwohl die Stadt mittlerweile weit über eine Million Einwohner hat. Seit 2008 zählt die Altstadt deshalb auch zum Weltkulturerbe der UNESCO und viele, vor allem junge Leute aus der ganzen Welt machen hier Station auf ihren Erkundungsreisen durch Südostasien. Einer von diesen ist der 1986 in Litauen geborene Künstler Ernest Zacharevi. 2012 wurde Zacharevi mit sechs Wandbildern weltberühmt, bei denen er Alltagsgegenstände wie Küchenstühle, alte Fahrräder oder Mopeds durch Wandbildern auf Fassaden im Straßenraum ergänzt. selbstverständlich gibt es mittlerweile viele Nachahmer, die aber selten die Poesie der Arbeiten von Zacharevi erreichen.

Peranakan Wohnhaus der Familie Chung

Speisezimmer mit Blick auf das Atrium

Eine weitere Attraktion in Georgtown sind die Zeugnisse der Peranakan-Kultur. Peranakan heißt so viel wie Mischling und wenn es sich um Mischlinge mit indischen Wurzeln handelt, heißen sie Peranakan Keling, bei einem Mischling mit chinesischen Wurzeln spricht man vom Peranakan China. Die überwiegende Mehrheit ist jedoch Peranakan China, entsprechend dem Bevölkerungsanteil der china-stämmigen Bevölkerung. In den Häusern der Peranakan mischen sich dementsprechend die Vorlieben und Geschmäcker der unterschiedlichen Ethnien. Für die Peranakan China wurden zum Beispiel Möbel und Porzellane in China gefertigt, die dort unverkäuflich gewesen wären, hier aber reißenden Absatz fanden.

Unsere „Erfrischung“ unterwegs: Hühnerteigtaschen mit Gemüse, Frühlingsrollen, Kokosreis in Bananenblättern, lila Reispudding und Maniokschnitten, deutscher Apfelkuchen; so bunt wie Georgetown!

Die Pfahlbautenstege vor Georgetown

Das sind die Plankenwege zwischen den Holzhäusern, wenn man die Touristenpfade verläßt

Ein ganz anderes Relikt aus der frühen Zeit der chinesischen Einwanderung befindet sich direkt am Hafen: hier haben sich chinesische Clans, die als Kulis, Minen- oder Landarbeiter gekommen waren, einfachste Holzhütten entlang eines Steges gebaut, der ein paar hundert Meter in das Meerwasser hineinreicht. Insgesamt sieben solcher „Jetties“ gibt es noch, jede wurde oder wird von einem Familienclan beherrscht. Einer, der Chew-Jetty, ist eine Touristenattraktion, aber wenn man nur ein wenig um die Ecke schaut, sieht man, wie armselig die Lebensumstände in den winzigen und dunklen Pfahlbauten sind.

Familientempel der reichen Familie Khoo

Written by Stephan Börries

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