Das Rotermann-Quartier von Talinn, wo einer Speicherstadt neues Leben eingepflanzt wurde (und wird)

Bei schönstem Frühlingswetter laufen wir in den Hafen von Talinn ein. Schon von See läßt sich erahnen, daß Talinn zum einen die moderne Hauptstadt eines jungen Landes in eifriger Entwicklung und gleichzeitig ein wichtiger und schöner historischer Platz an der baltischen Küste ist. Die Skyline des neuen Talinn kontrastiert mit den Türmen der Altstadt und dem Domberg. Der mittelalterliche Stadtkern wird noch heute in Teilen von einer bis zu 16m hohen Stadtmauer umschlossen und von den vielen Türmen der Stadtbefestigung ist der „Kiek in de Kök“ vielleicht der berühmteste. Seit dem Mittelalter wurden die Geschicke der Stadt von einer deutschsprachigen Kaufmannsschicht bestimmt und damals hieß die Stadt Reval.

Schloß Kadriorg (Katharinenthal)

Nach der Gründung Estlands im Jahre 1918 wurde Talinn dann die Hauptstadt der jungen Republik, die nach dem Ende der Sowjetunion noch einmal neu gegründet wurde. Estland gehört heute zur EU und auch die estnischen Kronen, die ich noch mitgebracht habe, werde ich als Zahlungsmittel nicht mehr nutzen können, da auch in Estland mittlerweile den Euro als Währung eingeführt hat.

Ein Wachhäuschen im Park von Kadriorg

Da ich die wunderschöne Altstadt von Talinn schon mehrmals besucht habe, gilt der Aufenthalt heute Nachmittag dem Stadtteil Kadriorg, auf Deutsch: Katharinental. Peter der Große kaufte 1714 der Revaler Kaufmannswitwe Elisabeth Buchau ein Grundstück ab, um einen Sommersitz zu errichten. Grundstück und Lage hatte er nicht wegen der landschaftlichen Reize, sondern wegen der strategisch günstigen Lage an der Bucht von Talinn gewählt. Rußland befand sich zur damaligen Zeit in einem langen Kriegr mit Schweden, der insgesamt von 1700 bis 1721 dauerte und auch der „Nordische krieg“ genannt wird.

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Kadriorg ist das Sommerhaus, das als erste Unterkunft für Peter I. errichtet worden war und das mit seinen bescheidenen Dimensionen dem Mythos vom einfachen und volksnahen Herrscher entspricht, von dem auch Lortzings Oper „Zar und Zimmermann“ lebt.

Rund um das Schloß, das ab 1718 gebaut wurde, entstand zunächst ein barocker und später als Erweiterung ein Landschaftspark. Im 19.Jahrhundert wurde die Gegend an der Bucht von Talinn dann eine beliebte Sommerfrische und es entstanden viele bunte Holzhäuser, die teilweise noch heute den Reiz von Kadriorg ausmachen.

Nachdem das Schloß nach der Staatsgründung zunächst der Sitz des estnischen Präsidenten gewesen war, wurde 1934 eine neue Residenz innerhalb der Parkanlagen gebaut.

Von den geometrischen Gärten der Schloßanlage aus führt eine schnurgerade Allee bis an das Ufer der Bucht von Talinn. An dieser Stelle steht das Denkmal für die 177 Seeleute, die 1893 beim Untergang des russischen Panzerschiffes Russalka ums Leben gekommen sind.

Das Rossalka-Denkmal von 1902

Gleich neben der Parkanlagen von Kadriorg wurde 2006 das KUMU eingeweiht, das Museum für estnische Kunst. Das größte und modernste Kunstmuseum in den baltischen Ländern wurde von dem finnischen Architekten Pekka Vapaavuori entworfen und gibt einen sehr guten Einblick in die estnische Kunst seit dem 18. Jahrhundert.

Der großzügige Innenhof des KUMU

Im KUMU

Written by Stephan Börries

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