Wieder einmal Lissabon, eine der schönsten Städte, die sich denken lassen! Auch wenn es am Morgen noch heftig geregnet hat. Aber gegen 10:00h ist es damit vorbei und es herrscht herrliches Frühsommerwetter mit einem frischen Wind vom Tejo her.

Ein Seitenflügel des Gulbenkian-Museums in seinem Garten

Immer wieder gibt es Ausblicke in den Garten

Gulbenkian, ein „muß“ auch für Textilliebhaber

Da ich heute „frei“ habe, schaue ich mir Plätze in Lissabon an, die ich bisher noch nicht kannte und dazu gehört (tatsächlich) auch das Gulbenkian-Museum. Neben einer beachtlichen Sammlung moderner portugiesischer Malerei und Skulptur beherbergt das wunderbare Museum die unglaubliche Sammlung des armenischen Milliardärs Calouste Gulbenkian, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Kunst und Antiquitäten aus dem asiatischen, dem islamischen und dem europäischen Kulturkreis gesammelt hat, aber ausschließlich Stücke allererster Qualität! Ob es sich um chinesische Pozellane handelt (nicht nur Einzelstücke, gerne auch ganze Ensembles!), römisches Glas und Juwelen, arabische Fayencen und Textilien, französische Möbel des 18. Jahrhunderts und und und…

Das Museum, ein qualitätvoller Betonbau aus den siebziger Jahren, ist eingebettet in einen zauberhaften Garten, der während der Öffnungszeiten des Museums öffentlich zugänglich ist.

Die Alameda mit den umgebenden Wohnvierteln

In der Avenida Guerra Junque

Danach folgt ein kurzer Einkaufstripp in ein bürgerliches Viertel, das so ganz anders ist, als die Gassen und Treppen der Altstadt. Sehr gepflegte Straßen und gut sortierte Einzelhandelsgeschäfte liegen um eine riesige Rasenfläche, die Alameda heißt.

Mercado da Ribeira

Zur Mittagszeit ist hier was los!

Anschließend geht es hinaus nach Belem. Auf dem Weg dahin komme ich an der alten zweischiffigen Markthalle vorbei, deren einer Teil nach einer Komplettsanierung vor ein paar Jahren jetzt einem riesigen Speisesaal gleicht. Man holt sich aus den Garküchen und Ständen, die rundherum eingebaut sind, sein Lieblingsessen, das dann inmitten eines riesigen Getümmels verspeist wird.

Das MAAT von der Tejo-Seite aus gesehen

Das Dach des MAAT ist begehbar; im Hintergrund die Brücke des 25.April

In Belem ist mein Ziel das ehemalige Kohlekraftwerk. Im alten Kraftwerk wird die Energieerzeugung mit Hilfe der alten Öfen, Dampfanlagen und Turbinen anschaulich erläutert. Spektakulär wurde die Anlage durch einen Anbau, den die Londoner Architektin Amanda Levete 2016 fertig gestellt hat. Der Neubau beherbergt Ausstellungsräume, die sich mit Kunst, Architektur und Technologie auseinandersetzen (MAAT, Museum of Art, Architecture an Technology).

Die Girlanden, die papierenen Buchstopfchen, der Fisch: hier wird der hl. Antonius gefeiert.

Es muß nicht immer Kaviar sein 😉

Nach so viel Kultur ist es Zeit, sich in die Alfama zu begeben. Die Alfama ist der Teil der Altstadt, der noch aus der arabischen Zeit stammt, sich durch viele gewundene Straßen und Treppengassen auszeichnet. Hier wurde auch der heilige Antonius von Padua geboren, der dann später nach Italien auswanderte und Karriere machte. Das Fest des Heiligen wird am 13. Juni begangen, aber die Lissaboner feiern den ganzen Monat Juni. Neben den vielen offiziellen Veranstaltungen ist es aber ein Fest der Stadtviertel und Nachbarschaften. Überall wo rote, grüne und gelbe Girlanden über den Gassen hängen, kann man davon ausgehen, daß am Abend was los ist.

Da werden Holzkohlegrills auf die Straße gestellt und Sardinen gebraten, da gibt es grobe Bratwürste, viel Bier und gegen später auch überall Musik. Die Einnahmen gehen in der Regel in die Nachbarschaftskasse oder kommen dem nächsten Kindergarten oder Altenheim zu Gute. In der Nähe von Santa Eugracia lasse ich mich in so einem provisorischen Restaurant zum Abendessen nieder. Es gibt Chorizo, Oliven, weißes Brot und Sardinen, die von der Schwiegermutter auf dem Gehweg gegrillt werden. Und weil der „Wirtsleuten“ gerade danach ist, erklingt gleich auch noch ein bißchen Fado.

Gerade noch am Herd, jetzt voller Melancholie: Fado unplugged

Auf dem Weg zurück zum Schiff

 

Written by Stephan Börries

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code