Bei der Ankunft in HCMC

Über den Soai Raep und den Saigon Fluß erreichen wir Ho Chi Minh City (HCMC), die Stadt, die vor 1976 Saigon hieß. Ungefähr 80km beträgt die Strecke vom Ostmeer, das in Vietnam nicht mehr Südchinesisches Meer genannt wird, bis zu unserer Pier in der Nähe der Innenstadt. Die Fahrt geht durch Mangrovenwälder und in Industrieanlagen, während die Wasserstraße in immer neuen Windungen durch die flache Landschaft führt. Schon lange, bevor MS EUROPA festmacht, taucht die imposante Skyline des Zentrums und der neuen Stadtgebiete in immer neuen Perspektiven auf. Den sprichwörtlichen Höhepunkt dieser Neubaugebiete bildet der Wolkenkratzer mit dem Namen Landmark81, der 2018 fertig gestellt wurde und mit seinen 461m Höhe das höchste Gebäude Vietnams ist.

Ein Oldtimer für eine City-Tour gefällig?

Im Rahmen unserer Sai Gon Tour besuchen wir auch den sogenannten Wiedervereinigungspalast. Dieser Riesenbau im Stil der 60er Jahre wurde 1963 an Stelle des Norodom-Palastes errichtet, der dem französischen Generalgouverneur und später dem südvietnamesischen Diktator Diem als Residenz gedient hatte. Bei einem Putschversuch im Jahr 1962 war der alte Palast von der eigenen südvietnamesischen Luftwaffe bombardiert worden und Diem beauftragte noch den Neubau, der mit einem System unterirdischer Bunker und Tunnel ausgestattet wurde.

Der Wiedervereinigungspalast hat seinen Namen nach der Eroberung Südvietnams durch das kommunistische Nordvietnam erhalten
Großer Empfangssaal im Palast der Wiedervereinigung
Telekommunikationsanlagen in den Bunkerräumen des Wiedervereinigungspalastes

HCMC ist das wichtigste Industriezentrum im Süden Vietnams und liegt nordöstlich des fruchtbaren Mekong-Deltas und ist mit mehr als 8,426 Mio. Einwohnern (2016) die größte Stadt des Landes. Charakteristisch ist das in der Nähe des Flusses gelegene Zentrum mit einem europäisch anmutenden Stadtbild, das durch Bauten im Kolonialstil, Alleen und Parks geprägt wird. In den kleinen Straßen und Gassen hat sich jedoch immer noch viel einfaches Leben erhalten. Bürgersteige und Kolonnaden sind meistens zugestellt mit dem immer noch wichtigsten Verkehrsmittel der Stadt, nämlich zahllosen Motorrollern. Ampelanlagen werden bedingt respektiert und vor allem an den Kreuzungen erinnert der Verkehrslärm an Wespenschwärme. Man versteht sofort, weshalb die italienische Marke Piaggio ihre Roller VESPA genannt hat.

Alt und Neu in HCMC
Großer Abwasch in einer Seitengasse
Immer wieder trifft man auf Erinnerungen an die Vietnamkriege

Gegenüber dem Hauptpostamt mit seiner imposanten Schalterhalle erhebt sich die doppeltürmige Kathedrale Notre-Dame (1877 – 1883), die aber gerade restauriert wird, aber wer will schon in Südostasien eine spätromanische Kathedrale besuchen. Die Wege innerhalb der Innenstadt gestalten sich bei unserem Aufenthalt überhaupt ein wenig schwierig, denn quer durch die Stadt stellen die Bauzäune um die Baugruben für die im Bau befindliche U-Bahn ein fast unüberwindliches Hindernis dar. Die kleinen Gassen und Höfe, die sich aber überall innerhalb der Innenstadt, die sich ansonsten mit eleganten Hotels und Malls aufputzt, bieten aber auch so immer noch das pralle Leben.

Kolonialarchitektur in der Ky Con
Mitarbeiterinnen des Gartenbauamtes in der Mittagspause
Likör mit eingelegten Schlangen (kann ich leider nicht mitbringen, da bei uns der Zoll etwas dagegen hat)
Vietnam ist einer der großen Kaffeeproduzenten der Erde und es gibt unzählige Sorten im Angebot
Und so wird Café Viet serviert: durch einen kleinen Alu-Filter läuft der sehr starke Kaffee in die Tasse, dann kommt extrem süße Kondensmilch hinzu und das ganze ist wirklich sehr lecker!

Auch ein Ausflug in das betriebsame Chinesenviertel Cho Lon mit dem „Binh-Tay-Markt“ bietet sich nicht wirklich an, da die beliebte Markthalle mit ihren mehrstufigen gelben Dächern zur Zeit ebenfalls eine Umbaustelle ist. Nicht weit vom Binh-Tay-Markt befindet sich die Cha-Tam-Kirche, in der Präsident Ngo Dinh Diem 1963 gefangen gehalten und schließlich erschossen wurde.

Straßenverker: der ganz normale Wahnsinn
Ein paar Fahrräder wagen sich auch noch auf die Straße

Die ständig wachsende Skyline von HCMC wird geprägt vom Gebäude der Vietcombank (2015, 206m) und dem Bitexco Financial Tower (2015, 265m) mit einer prägnanten Terrasse in Höhe der 52. Etage. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Aussichtsbalkon, sondern um einen Hubschrauberlandeplatz. Die Besucheretage befindet darunter in der 49. Etage und hat leider keinen Ausgang ins Freie.

Blick von der Sansibar auf District 1

Written by Stephan Börries

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