Morgenstimmung im Hafen von Sihanoukville

Der kleine Fischerort Kampong Saom, oder auch Sihanoukville genannt, wurde in den 1960er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der kambodschanischen Regierung wiederentdeckt, als die handelsüblichen Routen über den Mekong nach China während des zweiten Indochina-Krieges nicht befahrbar waren. Mit Hilfe der Amerikaner, die eine Straße zwischen der Hauptstadt Phnom Penh und dem Hafen bauten, entwickelte sich schnell eine Infrastruktur, sodass der kambodschanische König Sihanoukville 1964 offiziell gründen konnte. Heute entwickelt sich die Stadt zu einem beliebten Badeort, wobei der Problem der Plastikmüll verseuchten Strände auch vor der kambodschanischen Küste nicht Halt macht.

Wo jetzt Baustellen vorbereitet werden, waren bei meinem letzten Besuch 2014 noch Felder und Landschaft

Aber wir machen uns auf, um über die Nationalstraße Nr.4 nach Phnom Penh zu fahren. Um 7:00h morgens brechen wir auf und dieses Mal brauchen wir für die 230km lange Fahrt sechs Stunden, bevor wir unser Ziel erreichen. Die Straße, die bei meinem ersten Besuch vor Jahren noch garnicht komplett asphaltiert war, ist mit Ihrer Rolle als Hauptstraße Kambodschas noch nicht mitgewachsen und so teilen sich Tieflader und Schulbusse, Schwertransporte und Dreiradlieferautos, Mopedfahrer (gerne auch ganze Familien auf einem Gefährt) und freilaufende Kühe den Straßenraum. Daß mit dem Bau einer Autobahn zwischen Sihanoukville und Phnom Penh begonnen wurde, kann uns heute nichts nutzen.

Hinduistische Riten am Linga
Auf der Nationalstraße Nr.4

Phnom Penh ist die Hauptstadt von Kambodscha und zählt heute um die zwei Millionen Einwohner. 1866 wechselte König Norodom seinen Hauptstadtsitz von Udong zum verschlafenen Flussstädtchen Phnom Penh. Die Einwohnerzahl von Phnom Penh wuchs bis 1970 auf über 600.000 an. Doch während des Terrorregimes des Pol Pot wurde die Stadt fünf Jahre später fast völlig zerstört und die Einwohnerzahl sank auf ungefähr 30.000. Nach den Bürgerkriegen und der Einsetzung einer neuen Verfassung im Jahr 1993 hat sich auch dank großer finanzieller Hilfen aus dem Ausland und privater Initiativen einiges getan. Die alte Schönheit der Stadt erstrahlt erneut an vielen Orten und wie in anderen Metropolen Indochinas schießen die Hochhäuser aus dem Boden.

Kolonialarchitektur in der Innenstadt

Im Jahre 1892 wurde der Bereich der Silberpagode als eine Familiengruft für den König Norodom aus Holz angelegt. 1962 wurde die Pagode durch den König Sihanouk erneut erbaut und erhielt ihren Namen von den über 5.000 Silberplatten, die den Boden belegen und von denen jede ein Kilogramm schwer ist. Im Inneren befinden sich viele wertvolle Geschenke verschiedener Staatsoberhäupter. In der Mitte der Pagode thront eine lebensgroße Buddhastatue, die aus 90 kg Gold gegossen ist und mit über 9.500 Diamanten bestückt ist. Der wertvollste davon ist ein 25-Karat-Stein. Der Komplex des Königspalastes liegt direkt neben der Silberpagode und ist in zwei Bereiche aufgeteilt: den Bereich der Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude und den privaten Wohnbereich des Königs. Der Königspalast wurde 1866 für König Norodom durch die Franzosen errichtet. Das prachtvollste Gebäude ist die Thronhalle, Tevea Vinichhay, die 1919 durch König Sisowath eingeweiht wurde. Südlich der Thronhalle liegt die Villa Napoleons III., die 1866 in Ägypten zur Einweihung des Suezkanals gebaut wurde. Später bekam sie der kambodschanische König von den Franzosen geschenkt

Auf dem Gelände des königlichen Palastes von Phnom Penh
Zwei Mönche wandeln dekorativ durch den Palastgarten
Die sehr schön restaurierte Zentral-Markthalle von Phnom Penh in Art Deko Stil der 1930er Jahre

Nachdem Kambodscha die Unabhängigkeit von den Franzosen erlangte, erlebte die Stadt einen beispiellosen Bauboom. Der bekannteste Name unter den Architekten ist mit Sicherheit Vann Molyvann (1926-2017), der vom König zum Nationalarchitekten ernannt wurde. Er und andere Architekten entwickelten einen Stil, der als Mischung von Bauhaus, Moderne und Tradition von Angkor beschrieben werden kann und unter dem Namen Nouveau Architecture Khmer bekannt wurde. Einzigartige Bauwerke wie das Nationaltheater (während des Pol Pot Regimes zerstört), das Haus der Minister, das Institut für Fremdsprachen, das Nationale Sportzentrum und die Gebäude der königlichen Universität wurden zwischen 1950 und 1970 errichtet.

Auf dem Campus der RUPP (Royal University of Phnom Penh) aus den 1960ern

Die Rückfahrt nach Sihanoukville ist zum Glück etwas kürzer, wir brauchen lediglich 5 ¼ Stunden und kommen nach fünfzehn Stunden zurück an Bord.

Written by Stephan Börries

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code