MS EUROPA im Hafen von Gibraltar

Schon mehrfach bin ich auf meinen Seereisen durch die Straße von Gibraltar gekommen, aber heute ist es das erste Mal, daß ich dort halt mache und mir die Stadt und den Felsen anschauen kann. Nach einem Bummel durch die Innenstadt, die wegen eines „bank holiday“ recht ruhig und verschlafen ist, geht es mit der Seilbahn auf den Felsen. Das lange Anstehen (ich hätte ja vielleicht auch eine Buchung übers Internet machen können!?) lohnt sich, denn die Ausblicke von dort oben sind wirklich spektakulär. Die höchste Stelle des Felsens erreicht eine Höhe von 426m und von oben begreift man denn auch, daß der Felsen von Gibraltar nicht die engste Stelle der Wasserstrasse ist. Aber von hier aus kontrolliert man die Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik. Bei dem klaren Wetter heute scheint der afrikanische Kontinent in greifbarer Nähe. Ich denke an die Gefühle, als ich vor gut vier Wochen auf der marokkanischen Seite stand und auf die europäische Seite schaute, die für die meisten Menschen dort unerreichbar ist.

Rechts im Bild ist kein Kreuzfahrtschiff zu sehen, das haben sich die Briten hier freiwillig an den eingang zur Altstadt gebaut!
Im Zentrum der Altstadt

Bereits die Griechen der Antike hatten die Straße von Gibraltar gekannt und als „Säulen des Herkules“ bezeichnet – markiert vom heute sogenannten Berg Djebel al Tarik (Felsen von Gibraltar) auf der europäischen und dem Djebel Musa (Berg Moses) auf der afrikanischen Seite. Nach ihrer Auffassung war an dieser Stelle die Welt zu Ende. Die Phömizier wußten das heutige Gibraltar als Nahtstelle zwischen Atlantik und Mittelmeer zu schätzen und zu nutzen. Sie gründeten am Fuß des Gibraltarfelsens den Seehandelsplatz Cateia.

Der Felsen von Gibraltar mit der Mittelmeerküste Andalusiens

Die breiteste Stelle der Straße von Gibraltar ist 44 km, die schmalste jedoch nur 14 km breit. Und diese kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Afrika bot sich dementsprechend auch für das Übersetzen von Invasionsheeren an. Im Jahre 711 übetrschritt der islamische Feldherr Tarik – nach dem der Djebel al Tarik benannt ist – mit seinem Berberheer die Straße von Gibraltar. In der für ihn siegreichen Schlacht bei Tarifa – 25 km westlich von Gibraltar – löschte Tarik das Westgotenreich unter König Roderich aus. Spanien wurde mit Ausnahme christlicher Randgebiete im Norden islamisiert. Der nun folgende Eroberungsfeldzug brachte innerhalb von fünfzig Jahren fast die gesamte iberische Halbinsel unter maurische Herrschaft. Erst fünfhundert Jahre später endete mit dem Sieg Isabellas von Kastilien und Ferdinand von Aragons die maurische Herrschaft mit dem Untergang der Nasriden in Granada im Jahr 1492.

Im Rahmen der „Reconquista“, der christlichen Rückeroberung der islamischen Gebiete Spaniens, war der Gibraltarfelsen schon 1462 von den Spaniern eingenommen und gehalten worden. 1704 jedoch wurde er im Spanischen Erbfolgekrieg von britischen, niederländischen und hessischen Soldaten besetzt. Im Frieden von Utrecht erhielt Großbritannien 1713 den Felsen samt Hafen, Fort und Siedlung „für immer“ zugesprochen.

Viele Grüße nach Afrika

Heute zählt Gibraltar zu den „Abhängigen Gebieten“ des „Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland“. Laut Verfassung von 1969 ist die Halbinsel Gibraltar dank ihrer Selbstverwaltung halb autonom. Für Außenpolitik, Verteidigung und innere Sicherheit ist der britische Gouverneur zuständig.

Written by Stephan Börries

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