Blick auf die Reste einer Synagoge in Medina Azahara
Palastruinen in Medina Azahara

Von Sevilla aus geht es heute Morgen in ca. zweitsündiger Autofahrt nach Madina Azahara. Hier haben die Kalifen von Cordoba im 10. Jh. Eine Residenz- und Regierungsstadt gebaut, die die größte regelmäßige Stadtplanung Westeuropas darstellt. Im Gegensatz zu anderen islamischen Städten, in denen der Straßenverlauf eher labyrinthartig angelegt ist, bestimmt hier ein regelmäßiges Raster den Stadtgrundriss. Nach vierzig Jahren Bauzeit und nochmalig vierzigjähriger Nutzung, ging die Stadt dann in den Wirren der Bürgerkriege am Anfang des 11.Jh unter und wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Bis heute sind erst ungefähr 10% der Stadt ausgegraben. 2018 stellte die UNESCO die Gesamtanlage unter ihren Schutz.

Torre de la Calahora, römische Brücke über den Guadaquivir und Teilansicht der Moschee-Kathedrale von Cordoba

Danach geht es nach Cordoba, das von hier nur acht Kilometer entfernt ist. In Cordoba, nach Sevilla die bedeutendste Stadt Andalusiens und im 10. Jh. eine der größten Hauptstädte Europas, lebten Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen in Eintracht. Unter der Herrschaft der Dynastie der Umayyaden erlebte die Stadt ihre größte Blüte und man geht davon aus, daß damals bis zu 500.000 Menschen hier lebten.

Maurisches und christliches Durcheinander in der Moschee-Kathedrale von Cordoba

Größte Attraktion Cordobas ist die „Mezquita“, eine Moschee, deren gewltiger Bau im 8. Jh. Begonnen wurde und deren endgültige Ausdehnung bis auf mehr als 22.00qm anwuchs. Gewaltige Mauern umgeben die drittgrößte Moschee der Welt. Sie begründete den Kalifal-Stil, der römische, gotische, byzantinische, syrische und persische Elemente verband und die Wurzel spanisch-muslimischer Architektur der nächsten Jahrhunderte war, bis hin zum Mudejar-Stil der spanischen Eroberer. Die Moschee in Cordoba ist nicht nach Mekka ausgerichtet, sondern nach Damaskus. Darüber hinaus befindet sich der Mihrab nicht im Zentrum des Gebäudes. Kalif Abderraman I. begann den Bau der Moschee mit einer gigantischen Halle, bestehend aus elf Schiffen mit insgesamt 110 Säulen aus Marmor und Granit. 833 vergrößerte Abderraman II. das Bauwerk mit acht weiteren Bögen, deren weiße Marmorsäulen aus dem römischen Amphitheater von Merida stammen. Alhakem II. baute 961 das Minarett mit Verzierungen aus Marmor und die Kliba mit ihrer Kuppel aus verschlungenen Bögen. Beide zählen zu den bedeutendsten architektonischen Kunstwerken. Den letzten und größten Ausbau führte 987 Kalif Alamanzor durch.

Im Jahr der Rückeroberung Cordobas durch die Christen (1236) wurde die Mezquita zur christlichen Kathedrale geweiht. Bereits im 13. Jh. fügte man die Capilla Real, die königliche Kapelle, hinzu. 1523 begann man nach dem Willen der katholischen Kirche und mit Unterstützung Kaiser Karls V., gegen den Widerstand der Stadtverwaltung, mit dem Bau eines gewaltigen Kirchenschiffs im Inneren der Moschee. Die Arbeiten dauerten 234 Jahre, weshalb die Kathedrale, in gotischem Stil begonnen, auch Elemente der Renaissance und des Barocks aufweist.

In der Juderia von Cordoba

Nach einem ausführlichen Mittagessen und einem Gang durch die Gassen der Altstadt besuchen wir dann noch den Alcazar von Cordoba. Diese Burganlage wurde ab 1328 durch die spanischen Könige erbaut. Sehenswert sind vor allem die wunderbaren Gärten, die zwar nicht besonders alt sind, aber in wunderbarer Weise die islamische Gartenkunst wiederaufnehmen.

die Gärten des Alcazar von Cordoba
Blick von den Palastterrassen des Alcazar

Auf der Rückfahrt nach Sevilla sehen wir von ferne eines der modernsten Solarkraftwerke der Welt (Planta Solar Termica Gemasolar). In dem knapp 140m hohen Turm werden Salze durch reflektiertes Sonnenlicht bei mehr als 1000°C verflüssigt. Mit Hilfe dieser Flüssigkeit wird Dampf erzeugt, der wiederrum Generatoren zur Stromerzeugung antreibt. Durch die Speichermöglichkeiten des verflüssigten Salzes ist die Anlage auch einsatzfähig, wenn die Sonne nicht scheint.

Das Sonnenkraftwerk in der Landschaft

Written by Stephan Börries

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