Als wir vor zwei Jahren versucht haben, nach Jersey zu kommen, konnten wir die Insel nicht erreichen: Nebel mit Sichtweiten unter fünfzig Metern machten eine Anlandung unmöglich und daher freue ich mich, daß wir die Kanalinseln heute bei schönstem Sommerwetter erreichen. MS EUROPA muß aber in einiger Entfernung vor Anker gehen, weil der Hafen für Schiffe selbst unserer Größe nicht geeignet ist und Untiefen in Küstennähe ein Ankern in geringerer Entfernung nicht zulassen. Also wird „getendert“, was selbst bei fast ruhiger See hier immer eine schaukelige Angelegenheit ist. Aber nach einer Überfahrt von einer knappen halben Stunde erreichen wir den Hafen von St. Helier, der Hauptstadt von Jersey.

Der innere Hafen von St. Helier auf Jersey

Die Kanalinseln oder Normannischen Inseln, von den Briten „Channel Islands“, von den französischen Nachbarn „Iles Normandes“ genannt, liegen in der Bucht von St.- Malo vor der Westküste der Halbinsel Cotentin. Zur Gruppe gehören u. a. die Inseln Jersey und Guernsey.

Die Kanalinseln sind seltsamerweise kein Bestandteil des Vereinigten Königreiches. Sie besitzen ein eigenes Parlament und stehen in unmittelbarer Beziehung zur englischen Krone. Verwaltungsmäßig gliedert sich der Archipel in zwei Bailiwicks, in die Inseln Jersey und Guernsey. Beide Amtsbezirke haben eigene Währung und Postwertzeichen; jedoch gilt das Englische Pfund ebenfalls als gesetzliches Zahlungsmittel.

Jersey, das heißt Graseiland, ist die größte und gleichzeitig südlichste Insel des normannischen Archipels. Die Hauptstadt St. Helier hat ungefähr 35.000 Einwohner und ist das Verwltungszentrum der Insel. Hier haben fast alle Banken der Welt eine Niederlassung (oder zumindest einen Briefkasten), denn die Kanalinmseln sind aufgrund der hiesigen Steuervorteile für die Finanzwirtschaft von einigem Interesse. Jersey hat in großen Zügen die Gestalt eines unregelmäßigen Vierecks. Neben Orten wie St. Aubin und St. Brelade ist die Stadt Gorey mit ihrer Austernindustrie und der Festung Mont Orgueil Castle von touristischem Interesse.

St. Mathews in Millbrok, Jersey

Wir beschränken uns heute jedoch auf die Südwestküste der Insel und besuchen hier drei Orte von besonderem Interesse. Unser erstes Ziel ist die Kirche von St. Mathews. Im Auftrag von Lady Florence Trent wurde die ehemalige Dorfkirche ab 1934 im Stil des Art Deco umgebaut. Die gesamte Innenausstattung einschließlich der Kirchenfenster wurde dann vom französischen Glaskünstler René Lalique entworfen und gefertigt. Die Kirche ist damit das einzige Gesamtkunstwerk von Lalique, der seinen ersten Ruhm mit Arbeiten im Jugendstil erlangt hatte.

Ein Fest für Fans von Lalique!
Die Kirche von St. Brelades an der gleichnamigen bucht

Die zweite Kirche, die wir danach besuchen, könnte kaum unterschiedlicher von der ersten sein: die kleine Dorfkirche von St. Bralade, die von einem romantischen Friedhof umgeben ist und an der gleichnamigen Bucht liegt, ist die einzige der zwölf Pfarrkirchen der Insel, deren wesentliche Teile noch aus dem 13. Und 14. Jahrhundert stammt. Besonders die winzige Fischerkapelle gleich neben der Kirche ist wegen Ihrer Fresken aus dem vierzehnten Jahrhundert von Bedeutung, die erst bei Renovierungsarbeiten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts entdeckt wurden.
Unser Ausflug führt uns dann noch an die Südwestspitze von Jersey, wo der Leuchtturm von la Corbière auf einer zerklüfteten Küstenlandschaft steht und schier endlose Strand der Westküste Jerseys beginnt.

Die Südwestspitze von Jersey: La Corbière

Written by Stephan Börries

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