Corfe Castle, Dorset

Von der Isle of Portland, wo MS EUROPA heute liegt, sind wir wieder auf den Spuren der Normannen unterwegs. Durch die sanfte und hügelige Landschaft der Grafschaft Dorset steuern wir zunächst das Dorf Corfe an, das von der mächtigen Ruine der gleichnamigen Burg überragt wird. Die gewaltige Anlage wurde in den Jahren nach der Eroberung Englands durch die Normannen angelegt und war in der Folgezeit königliche Residenz, Aufbewahrungsort der Kronjuwelen und zeitweiliges königliches Gefängnis bis die Burg unter der Regierung Elizabeth I. verkauft wurde, weil ihre Funktion als Sicherung der königlichen Macht sich erübrigt hatte. 1643 kam sie in den Besitz der Familie Banks, wo sie, oder was dann später von ihr übrig war, bis 1983 verblieb. Im Verlauf des englischen Bürgerkrieges wurde die Burg zunächst belagert und nach der Einnahme infolge Verrats dann 1646 von den Truppen Oliver Cromwells gesprengt wurde. Die Trümmer der riesigen Anlage sind heute noch sehr beeindruckend und bei prächtigem Sommerwetter steigen wir bis zu den Ruinen des Königsplastes hinauf und haben von dort oben eine grandiose Aussicht auf das Dorf und die umgebende Landschaft.

Normannsiche Gotik in Wimborne Minster

Von Corfe geht es dann weiter nach Wimborne Minster. Das Städtchen geht zurück auf eine Abtei, die schon 705 in vornormannischer Zeit von der heiligen Luthburga gegründet wurde und bis in die Regierungszeit Königin Viktorias direkt der Krone unterstand. Nach Auflösung der Abtei im Zuge der englischen Reformation blieb nur die Abteikirche erhalten, die heute als Pfarrkirche dient. Der Kern der Kirche bewahrt wunderbare Architektur aus normannischer Zeit und in der ehemaligen Schatzkammer befindet sich heute eine Bibliothek. Diese Bibliothek wurde 1685 von Rev. William Stone als öffentliche Bibliothek gestiftet und späterhin durch Zustiftungen erweitert. Um dem Bücherdiebstahl zu begegnen wurden die Bücher dieser Bibliothek mit geschmiedeten Ketten gesichert. Insgesamt gibt es in Großbritannien nur drei weitere Bibliotheken, in denen die Bücher so gesichert sind

Das ist Wimborne „echt“

Nach dem Mittagessen in einem örtlichen Pub machen wir noch einen kleinen Abstecher in ein kurioses Freilichtmuseum. In diesem Museum ist gesamte Innenstadt von Wimborne im Maßstab 1:23 nachgebaut und zwar in dem Zustand, in dem sie sich in den 1950er Jahren befand. Alle Details, sogar die Auslagen in den Schaufenstern der Einzelhandelsgeschäfte und auch eine Hochzeitsgesellschaft im Inneren der Kirche sind akribisch nachgebaut. Die Besucher können sich ein wenig wie die Riesen fühlen, die durch die Fenster der kleinen Häuschen schauen, und dem Treiben der Menschen zusehen.

Und so sieht eine Straße von Miniatur-Wimborne aus
Der Blogger als Gulliver
Kingston Lacy

Der Nachmittag gilt dann einem Besuch von Kingston Lacy. Der prächtige Besitz, der umgeben ist von einem Landschaftspark von ca. 3000ha Größe, wurde durch die Familie Banks angelegt, nachdem die Burg von Corfe zerstört war und sie nun hier ihren Wohnsitz nahmen. Im Inneren des Herrenhauses befindet sich eine umfangreiche Kunstsammlung, die mit den Namen Velazquez, Rubens, Guido Reni, van Dyck und vielen anderen glänzen kann. Aber bei dem herrlichen Wetter zieht es uns schnell zu einem Spaziergang hinaus in den Park, der unter anderem mit ägyptischen Obelisken und römischen Spolien ausstaffiert ist.

Zurück in Portland erwartet uns dann noch ein Chor, der MS EUROPA am frühen Abend auf der Pier ein Ständchen bringt.

Abendstimmung in Portland Harbour

Written by Stephan Börries

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