Die Hafeneinfahrt nach Dartmouth

Dartmouth ist eines der hübschesten Küstenstädtchen an der Südküste Englands und liegt, umgeben von bewaldeten Hügeln, nahe der Mündung des River Dart an dessen Westufer und besitzt einen gut geschützten – einst bedeutungsvollen – Naturhafen. Im Hinterland breitet sich die sanfte Hügellandschaft der Grafschaft Devon aus, die geprägt ist von Wällen und Hecken, die die saftig grünen Wiesen seit Jahrhunderten vor Winderosion schützen.

Begrüßung im Hafen von Dartmouth

Nach einer Fahrt durch die schöne Landschaft, über Straßen die von Steinwällen und Brombeerhecken eingefaßt sind erreichen wir Exeter. Bereits die Kelten siedelten an der Furt des River Exe zwischen dem 3. und 2. Jh. v. Chr., und zwar an der heutigen High Street. Um 50 n. Chr., zur Zeit der römischen Herrschaft, wurde Exeter als Hafenstadt zu einem bedeutenden Stützpunkt (Isca Dumnoniorum) ausgebaut. Größte Sehenswürdigkeit der Universitäts- und Bischofsstadt ist die hochgotische Kathedrale (1257 bis 1369), deren zwei mächtige normannische Türme von dem Vorgängerbau übrig geblieben sind. Die prächtige Westfassade ist mit zahlreichen Figuren geschmückt, und die in schönem Maßwerk gestalteten Fenster – teilweise mit erhalten gebliebenem Glas aus dem 14. Jh. – geben dem Innenraum der Kathedrale mit seinen 16 Bündelpfeilern im Hauptschiff ein helles Licht. Durch das Fehlen des sonst für die normannischen Kathedralen so typischen Vierungsturmes besitzt die Kathedrale von Exeter mit 98m das längste Gewölbe des Mittelalters überhaupt. Viele von den insgesamt über vierhundert Schlußsteinen der Gewölbe sind mit kunstvollen Steinmetzarbeiten, farbigen Fassungen und Vergoldungen geschmückt.

Die Kathedrale von Exeter
Das längste, durchgehend Gewölbe Englands (Teilansicht)

Große Teile der Altstadt von Exeter und auch Teile der Kathedrale wurden in den Jahren 1942 durch mehrere verheerende Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe zerstört. Diese Angriffe sind als sogenannter Baedeker-Blitz in die Geschichte eingegangen, da die Ziele dieser Angriffe, nicht nur in Exeter, sondern auch an anderen Orten Großbritanniens, bewußt nach ihrer kulturhistorischen Bedeutung ausgewählt worden waren.

Unterwegs in der Grafschaft Devon

Von Exeter aus geht es dann weiter in Richtung Dartmoor. Am Rande dieser Landschaft liegt Castle Drogo. Der gewaltige Komplex, von dem nur ca ein Drittel der ursprünglichen Planung ausgeführt wurde, entstand in den Jahren zwischen 1910 und 1930. Architekt dieses ambitionierten Unternehmens war der damals hochangesehene Edwin Lutyens. Die Gartenanlagen entstanden ab 1915 in Zusammenarbeit mit Gertrude Jekyll, eine der bedeutendsten Gartenplanerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts.

Eingang zu Castle Drogo (der Rest ist gerade von Baugerüsten verstellt)
Castle Drogo Gardens
Der kreisrunde Crocket-Platz (kennt jemand die Spielregeln?) wird vertikuliert

Auf dem Rückweg nach Dartmouth bleibt noch Zeit für einen Abstecher ins Dartmoor. Der Dartmoor- Nationalpark mit einer Fläche von 954 km² verfügt über eine weitgehend unberührte Landschaft. Das kühle, feuchte Klima der Region sorgt für eine fast schon mystische Atmosphäre – ideale Kulisse für den Sherlock-Holmes-Roman „Der Hund von Baskerville“ und viele andere, vor allem gruselige Geschichten der Literatur. Die Dartmoor- Ponys leben bereits seit der Bronzezeit in Dartmoor und gehören ebenso zur Landschaft wie Felsen, Sümpfe und Nebelschwaden. Das Gruselige treffen wir heute weniger an. Dafür bietet sich bei klarstem Wetter eine weite Aussicht über das Land bis hinunter zum Ärmelkanal.

Blick von Hay Tor auf das Dartmoor
MS EUROPA wartet vor der Mündung des River Dart

Written by Stephan Börries

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