Heute früh erreichen wir den letzten Hafen dieser Reise: Dover. Die Kreidefelsen bei Dover sind ein hinreißender Anblick. Ein steiles weißes Kliff von flach lagernden Kreidekalken erhebt sich imposant hinter dem Strand. Man kann von See her deutlich erkennen, dass über dem hohen Kreidekliff leicht welliges Land liegt, von Wiesen und Weiden bedeckt. Dieser großartige Anblick des unterschiedlich hohen Kliffs bestimmt die Szenerie beiderseits des Leuchtturms und Funkfeuers South Foreland.

River Stour in der Altstadt von Canterbury

Von Dover aus erreichen wir in knapp einer Stunde Canterbury. Das nordwestlich von Dover gelegene Canterbury hat – als eine der ältesten Städte Englands – eine römische Gründungsgeschichte. Am River Stour, der südlich von Ramsgate in die Nordsee mündet, gründeten die Römer nach ihrer Landung in England die Stadt Durovernum. 560 machte König Ethelbert of Kent die Stadt zur Hauptstadt seines Reiches, er residierte dort zusammen mit seiner Gemahlin Bertha. Der Mönch-Missionar Augustinus, nicht zu verwechseln mit dem Hl.Augustinus, em Kirchenlehrer, gründete 597 auf dem Platz einer einstigen Basilika aus der Römerzeit eine Benediktinerabtei, deren Abteikirche jedoch einem Brand zum Opfer fiel. Erzbischof Lafranc ließ Überreste davon mitverwenden, als er ab 1087 die Kathedrale von Canterbury erbauen ließ – Schauplatz eines düsteren Kapitels der englischen Geschichte: Der 1118 in London geborene Thomas Becket, 1155 zum Lordkanzler aufgerückt und 1162 als Erzbischof von Canterbury inthronisiert, machte in seiner Eigenschaft als Primas von England die Rechte der Kirche gegenüber dem Staat recht energisch geltend. Nach einem Zerwürfnis mit seinem König Heinrich II mußte Beckett nach Frankreich fliehen, von wo er 1170 nach einem äußerlichen Friedensschluß die Rückkehr nach Canterbury wagte wo er dann die nächsten Anhänger des Königs unter den Bischöfen exkommunizierte. Dieser unerhörte Affront im Kampf zwischen Kirche und Krone hatte zur Folge, dass Anhänger König Heinrichs II. Thomas Becket am 29. Dezember 1170 in der Kathedrale ermordeten.

Im Kreuzgang der Kathedrale von Canterbury

Schon drei jahre nach seinem Tod wurde Thomas Beckett dann 1173 heiliggesprochen und sein Grab entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Pilgerziele Englands. Während der Reformationszeit wurde der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen zerstört und König Heinrich VIII verbot den Kult um den standhaften Kirchenmann.

Blick in das großartige fächergewölbe der Kathedrale von Canterbury

Die Kathedrale selbst entwickelte sich bis in die Jahre um 1480 zu einem der grandiosesten Kirchenbauwerke Englands und bildet in seiner Architektur die Entwicklung vom normannischen Stil über die frühe Gotik bis zur Vollendung dieser Stilepoche am Ende des 15. Jahrhunderts ab. Der Besuch der Kathedrale, die leider von außen und teilweise innen von Baugerüsten verstellt ist, stellt einen würdigen Abschluß unserer Ausflüge dar, die ich unter dem Stichwort „Auf den Spuren der Normannen“ auf dieser Reise durchgeführt habe.

Normannische Blendarkaden am 2. Querschiff der Kathedrale
Ein letztes Mal auf dieser Reise heißt es für MS EUROPA: Leinen los

Written by Stephan Börries

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