Mittlerweile befinden wir uns wieder in unserem ursprünglichen Reiseplan: nach den Umroutungen und Improvisationen der letzten Tage haben wir heute früh gegen 2:00h pünktlich unseren Anleger in Bordeaux erreicht. Aber so ganz ohne Anstrengungen ging das auch nicht; der Lotse, der uns die Gironde hinaufgeführt hat, konnte wegen Seegangs an der Atlantikküste nicht per Boot zur MS EUROPA gelangen und wurde deshalb mit dem Helikopter an Bord gebracht.

Die Porte Cailhou aus dem Jahre 1496 ist eines der wenigen Überreste der mittelaterlichen Stadtbefestigung

An der Pier in Bordeaux ist von all dem bei sonnigem Herbstwetter aber nichts mehr zu spüren. Das letzte Mal war ich vor etwas mehr als vier Jahren im Juni hier, weshalb es lohnend ist, auch unter dem Stichwort EUR1511 meinen Beitrag von damals anzuschauen!

Diese Skulptur in unmittelbarer Nähe des priunkvollen Opernhauses erinnert daran, das ein nicht geringer Teil der klassizistischen Pracht Bordeaux aus den profiten des Sklavenhandels stammt, der im 18. Jahrhundert viel geld in die Stadt spülte

Der erste von den zwei Tagen, die wir wieder in dieser wunderbaren Stadt an der Garonne sind, gilt der barocken Stadt und der Umgebung der Kathedrale. Den Ausgangspunkt für die Umgestaltung von Bordeaux im achtzehnten Jahrhundert bildet die Place de la Bourse. Hier schufen die Architekten Jaques Gabriel und sein Sohn Jaques-Ange in den Jahren 1729 bis 1755 im Auftrag der Intendanten von Bordeaux eines der schönsten Stadtensembles in Europa. Seine letzte große Umgestaltung erfuhr dieses Ensemble in den letzten Jahrzehnten und den Höhepunkt und Abschluß stellt sicherlich der Wasserspiegel dar, der 2007 nach den Plänen von Michel Courajoud entstanden ist.

Der „Miroir“ vor der Place de la Bourse

Aber auch die Place Pey-Berland ist ein großartiges Beispiel für einen gelungenen Umbau eines Stadtraumes, der jahrzehntelang als Park- und Abstellplatz vor sich hin ödete. Der Platz wird dominiert von den Monumentalbauten der Kathedrale St. André, dem Glockenturm Pey-Berland und dem Rathaus der Stadt, das im ehemaligen Palais der Fürsten Rohan eingerichtet wurde. Auf dem Platz steht auch das Denkmal für Jaques Chaban-Delmas, der als Bürgermeister von Bordeaux zwischen 1947 und 1995 fast vierzig Jahre lang die Geschicke der Stadt geprägt hat und maßgeblich für die Erneuerung von Bordeaux verantwortlich ist.

Jaques Chaban-Delmas, Langzeitbürgermeister von Bordeaux
Das Gerichtsgebäude von Richard Rogers

Ganz in der Nähe der Kathedrale besuchen wir auch noch das Gebäude des Apellationsgerichtes, das zwischen 1993 und 1998 nach den Entwürfen des britischen Architekten Richard Rogers gebaut wurde. Der spektakuläre Bau steht in der französischen Tradition der „Grands Projects“ und unterstreicht mit seinem Ausdruck von Selbstbewußtsein die Bedeutung der unabhängigen Justiz für eine demokratisch verfaßte Gesellschaft, wie sie in Frankreich mit der Revolution von 1789 entstanden ist.

Am Ende der langen Uferpromenade an der Garonne wurde vor ein paar Jahren das „Centre du Vin“ gegen den Widerstand der Antialkoholiker als Kulturzentrum eröffnet.
Nach fast acht Stunden aktiver Stadtführung ein verdientes Feierabendbier an der augenblicklich schönsten Bar in Bordeaux, der SANSIBAR auf MS EUROPA2!

Written by Stephan Börries

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